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Chronik

Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München liegt, registriert Unter HL Passau 3, fol 35', eine Urkunde, die um das Jahr 1250 verfasst wurde und die Existenz von Kirchberg an der Pielach erstmals schlüssig dokumentiert. Es ist das ein Verzeichnis von niederösterreichischen Kirchenlehen der Diözese Passau, worin einzelne Kirchenorte aufgezählt werden. Wie damals üblich, ist der Text in lateinischer Sprache abgefasst und mit einer sauberen, aber für uns nicht lesbaren Schrift festgehalten. Außerdem werden viele Abkürzungen verwendet, die Urkundenexperten geläufig sind.

Jede Zeile der Urkunde beginnt mit dem lateinischem Wort "item", was so viel heißt wie "ebenso".

Die viertvorletzte Zeile ist für uns wichtig und lautet: Lateinischer Text leserlich (die in Klammer gesetzten Silben sind Abkürzungen und scheinen im Wortlaut des Originals nicht auf):

It(em) eccl(es)iam in Chirchperch conferunt F(rat)res des Rabinstein et t(er)mini decimis s(unt) epi(scopi) Patav(iensis) et abb(at) is Gotwicen(sis).

Übersetzung: Ebenso verleihen die Kirche in Kirchberg die Brüder von Rabenstein, und die Grenzen mit den Zehenten gehören dem Bischof von Passau und dem Abt von Göttweig.

Unter den "Brüdern von Rabenstein" sind Weichard l. (Wichard) von Rabenstein und sein Bruder Heinrich, der Stammherr der Weißenberger (Weißenburger) gemeint.

Der Name "Wichard von Rabenstein" scheint übrigens in der Urkunde zwei Zeilen höher im Zusammenhang mit der Kirche in Hofstetten auf:

Ihnen gehörte vermutlich damals die Herrschaft Kirchberg. Sie haben auch die Kirche gestiftet.

Der Zehent war bekanntlich eine Naturalabgabe der Untertanen, z.B. der zehnte Teil des Ernteertrages. Die Urkunde sagt aus, dass dieser Zehent dem Bischof von Passau und dem Abt von Göttweig gehörte. Offenbar verzichteten sie aber darauf und überließen ihn dem jeweiligen Kirchberger Pfarrer.

(Nach Dr. Bernhard Gamsjäger in einem Kommentar zur Urkunde aus einem Brief an den Bürgermeister der Gemeinde Kirchberg vom 14.4.1999.)

Es ist erwiesen, dass Weichhard l. von Rabenstein um 1250 lebte; daher muss auch die vorliegende Urkunde aus dieser Zeit stammen. Wichard l. von Rabenstein ist in der Zeit von 1254 - 1285 nachweisbar (siehe "Rabenstein gestern - heute", S. 122 von Erika und Walter Burger!).

Sein Geburtsjahr ist sicher weit früher anzusetzen.